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Roche in Deutschland - Das Magazin / Nr 1 // März 2020

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06 Das

06 Das Magazin // Neu denken! Robert Schnitzler, Leiter des im Januar bei Pharma Deutschland neu entstandenen Teams Digital Health Innovation, geht in seinen Überlegungen sogar noch einen Schritt weiter: „Das Unternehmen orientiert sich am Nordstern, um einen besseren therapeutischen Nutzen für Patienten zu schaffen. Dabei haben wir aktuell nur die Patienten im Blick. Was aber wäre, wenn wir einen aktiven Beitrag dazu leisten könnten, dass Menschen gar nicht erst erkranken? Der gesellschaftliche Anspruch heißt nicht mehr Behandlung, sondern Prävention. Die Digitalisierung hat uns diesem ultimativen Wunsch ein gutes Stück nähergebracht.“ Die App als Frühwarn-System Zur Veranschaulichung verweist Schnitzler auf die Fortschritte in der Alzheimer-Forschung (Mehr dazu auf S. 18). „Viele Jahre lang gab es für Patienten keinerlei Hoffnung, die schleichende Degeneration im Gehirn aufzuhalten. Nun sehen wir Licht am Ende des Tunnels. Die Behandlung zielt jedoch auf Menschen ab, die – obwohl die degenerativen Prozesse bereits eingesetzt haben – die meiste Zeit funktional unauf fällig sind, also beim regulären Arztbesuch häufig keinerlei Symptome aufweisen. Die Erkrankung kann in diesem Stadium lediglich mittels verhältnismäßig aufwendiger Labordiagnostik festgestellt werden, der sich ein gesunder, funktional nicht eingeschränkter Mensch nicht grundlos unterzieht. Eine Handy-App könnte mittels Touchscreen- Messung und Sprachanalyse Auffälligkeiten erkennen und den Benutzer so früh auf ein erhöhtes Risiko und die Notwendigkeit der Untersuchung aufmerksam machen – einfach und absolut schmerzfrei.“ „Digitale Lösungen sind als weiter gefasste Definition von Diagnostik zu begreifen, der wir uns als Unternehmen nicht verweigern können“, betont auch Schick. „Sie werden bestehende Messmethoden nicht ersetzen, aber eine neue Qualität der Wertschöpfung schaffen, indem sie diagnostische Informationen anreichern und so den Outcome für die Patienten verbessern.“ Beispiele für solche digitalen Anwendungen gibt es bereits: „Mit Floodlight hat Roche eine App für Patienten mit multipler Sklerose entwickelt, die eine sehr hohe Übereinstimmung mit herkömmlichen Messmethoden aufweist. Weil langwierig geplante Arztbesuche dadurch wegfallen, könnte diese App die Zeit für klinische Studien deutlich verkürzen“, sagt Schnitzler. „Und es muss auch nicht zwangsläufig eine App sein, die den Mehrwert schafft. Wir bewegen uns – oft unbewusst – im Alltag zwischen zahllosen Sensoren. So könnten zum Beispiel auch die Fahrerkamera im Auto, mit Sensoren ausgestattete Kleidung oder der interaktive Einsatz von Amazons ‚Alexa‘ wertvolle Daten zur Gesundheit ihrer Nutzer liefern.“ Das Gut „Vertrauen“ Die Krux: Roche verfügt längst nicht über das IT-Wissen, das sich Google, Samsung & Co. über viele Jahre angeeignet haben (siehe auch Ausgabe 3/2019, S. 22). Hinzu kommt: „Als Gesundheits- Unternehmen sind wir es gewohnt, auf das sogenannte Intellectual Property Right zu bestehen“, erklärt Schnitzler. „Traditionell behalten wir unser Wissen eher für uns. Im digitalen Bereich ist diese Strategie aber nicht zielführend. Stattdessen müssen wir Mit Floodlight hat Roche eine App entwickelt, die Patienten mit multipler Sklerose dabei hilft, ihre Erkrankung besser zu verstehen. Foto: iStock

Neu denken! // Das Magazin 07 Co-Creation: Pathologie-Produkte nach Maß Gemeinsam mit Kunden an Produkten arbeiten: Was vor einigen Jahren noch undenkbar war, macht Roche Diagnostics Deutschland unter der Leitung von Alexandra und Jan Farfsing derzeit im Bereich der Pathologie: Customer Co-Creation-Projekte. 40 interne und externe Experten treiben seit Mitte 2019 eigens entwickelte Co-Creation-Ideen im Bereich der Automation und Digitalisierung voran. Sie schaffen neue (digitale) Business-Modelle für Roche, die den aktuellen Marktbedürfnissen optimal angepasst sind. Ein Beispiel ist die Etablierung einer internationalen Pathologie-Plattform mit dem Ziel, ortsunabhängig Befunde zeitnah und digital zu erstellen und somit eine schnellere Therapieentscheidung zu ermöglichen. so viele Produkte im Vergleich zu heute – und das bei stabilem Umsatz und mit derselben Anzahl an Mitarbeitenden.“ Das macht ein gezieltes Ausrichten der Ressourcen auf Kunden- und Roche-Bedürfnisse notwendig – unter Beibe haltung der Qualität. Unter dem Titel „Customer Engagement Transformation“ soll deshalb für eine noch intensivere Zusammenarbeit innerhalb der Teams und Rollen gesorgt werden. „Wir müssen bestehende Kompetenzen nutzen und in kundenorientierten Teams zusammenfinden“, betont Steffen. „Es darf kein Einzelkämpfertum geben. Stattdessen wird die Betrachtung der Teamleistung eine größere Bedeutung erhalten.” Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen Bereichen wurde ein Konzept erarbeitet, das zunächst in vier Accounts im Bereich der Onkologie Anwendung finden soll. Dieser Prototyp startet im 2. Quartal dieses Jahres und soll für mindestens sechs Monate laufen, um die neuen Rollen und die Schnittstellen, z. B. mit dem Innendienst, in Alltagssituationen zu testen, zu lernen, zu optimieren und ab 2021 schrittweise umzusetzen. „Ich bin zuversichtlich”, sagt Steffen, „dass eine optimierte Zusammenarbeit und interne Koordination zu schnellerem Adressieren des Kundenbedarfs führt, einem der wichtigsten Faktoren für den langfristigen Erfolg des Unternehmens.” // Autorin: Sara Berg über den Tellerrand hinaus schauen und sowohl aus den Körperschaften ‚Pharma‘ und ‚Diagnostics‘ ausbrechen, als auch gemeinsam nach kompetenten Partnern aus anderen Branchen suchen (mehr dazu auf S. 08). Es geht darum, ein ganz neues, auf Gesunderhaltung fokussiertes Ökosystem zu schaffen.“ „Das Gut ‚Vertrauen‘ wird durch die Digitalisierung extrem wichtig“, betont auch Schick. In Zusammen arbeit mit den globalen Entwicklungseinheiten nehmen Pharma und Diagnostics jetzt mögliche Partner aus dem Datensektor, aber auch innerhalb von Labors und Krankenkassen unter die Lupe. Den Möglichkeiten scheinen hier zunächst keine Grenzen gesetzt. Einzig die Einschränkungen durch die deutsche Gesetzgebung (mehr dazu auf S. 26) bereiten Schick und Schnitzler noch Sorgen. „Das Digitale Versorgung-Gesetz war ein erster Schritt in die richtige Richtung“, sind sich beide einig. „Es enthält aber noch sehr viele Limitationen. Hier hat der Staat noch einiges zu leisten.“ Unternehmen und Mitarbeitende im Wandel Während Roche daran arbeitet, die digitalen Möglich keiten voll auszuschöpfen und so in einer dritten Sparte Fuß zu fassen, hat sich aber auch das klassische Portfolio in den vergangenen Jahren stark verändert. „Im Pharmabereich bewegen wir uns heute in einem intensiven Konkurrenzumfeld mit einer deutlich breiteren Produktpalette, die von onkologischen Medikamenten bis hin zu Therapien gegen seltene Erkrankungen reicht”, erklärt Beatrix Steffen, die den deutschen Pharma-Vertrieb leitet. „Außerdem vermarkten wir zukünftig mindestens doppelt