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Roche in Deutschland - Das Magazin / Nr 1 // März 2020

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24 Das

24 Das Magazin // Trends Moderne Schatzsuche auf digitalem Boden Über die ersten Erfahrungen mit einem Datensee und ungeahnte Erkenntnisse Bei Roche entsteht ein neuer Beruf: der Schatzsucher! Er jagt keine Goldschätze, er jagt Datenschätze. Wo? In einem Datensee (engl.: Data Lake). Ein Team um Andreas Staubert, Head of Technical Informatics, und Ludger Bodenbach, Head of Manufacturing Services & Technology beim Site Management Mannheim, hat einen umfassenden Datensee im Umfeld der Roche Point-of-Care- Produkte geschaffen. Das war nicht leicht, aber offenbar lohnenswert: Denn hier schlummern millionenschwere Schätze. Millionenschwere Schätze: Ein Datensee führt große Datenmengen aus unterschiedlichen Quellen zusammen. So lassen sich neue und wertvolle Erkenntnisse gewinnen. Foto: getty Images/istock

Trends // Das Magazin 25 Datenseen speichern Daten zu einem bestimmten Produkt nicht nur da, wo sie anfallen – also Produktionsdaten in der Produktion, Reklamationen im Service, Kundendaten im Vertrieb usw. –, sondern führen sämtliche Daten in einer Kopie an einem einzigen Ort zusammen. Der Vorteil: Große Datenmengen aus unterschiedlichsten Quellen sind jetzt auf einen Blick einsehbar, können miteinander in Verbindung gebracht werden und stehen zentral für statistische Analysen bereit. Bei ihrer Schatzsuche wagen die Datenexperten den Schritt ins Ungewisse – mehr noch als Abenteurer mit Schatzkarte. Denn oft suchen sie nicht nach einem bestimmten Schatz, sondern lassen sich von den Daten leiten. „Genau das ist das Faszinierende“, erklärt Andreas Staubert. „Früher hatte ich eine konkrete Fragestellung und habe die Daten darauf hin untersucht. Jetzt lasse ich mich von den Daten leiten: Auffällige Muster liefern Ideen. Die Methoden helfen mir, Dinge herauszufinden, nach denen ich vielleicht gar nicht gesucht habe.“ Die ersten Analysen lieferten bereits erstaunliche neue Einblicke, aus denen sich zukünftig erweiterte Services ableiten lassen und die vielleicht sogar ganz neue Business-Modelle möglich machen. Der Polyester ist schuld Das erste Roche Point-of-Care-Produkt mit eigenem Datensee ist Accu-Chek Inform II, ein System zur professionellen Blut zuckermessung. Das dazugehörige Data Lake-Projekt ist noch jung, der erste Schatz aber bereits gehoben: Die Daten zeigten, dass ein Gerätefehler in einem bestimmten Klinikum besonders häufig auftritt und vor allem im Winter vorkommt. Woran konnte das liegen? Die Datenanalysen liefern ein ungewöhnliches Ergebnis: Die Bekleidung des Krankenhauspersonals hat einen überdurchschnittlich hohen Polyesteranteil. Gerade bei trockener Luft im Winter führt das häufig zu einer elektrostatischen Entladung beim Einsetzen der Teststreifen. Diese stört die Messung. Eine wertvolle Erkenntnis, denn vermeintlich fehlerhafte Geräte werden von Kunden meist reklamiert und in der Regel kostenfrei durch Roche ersetzt. Anfallende Kosten: mehrere Millionen Euro pro Jahr. Ein Kampf, der sich lohnt Dass solche Erkenntnisse bei Roche nicht unentdeckt bleiben, dafür kämpfen Andreas Staubert und Ludger Bodenbach. Das erfordert Mut, Überzeugung und eine gute Portion Durchhaltevermögen, verraten sie. Die wohl größte Hürde fanden sie in den Bedenken der Kolleginnen und Kollegen beim Hantieren mit großen Datenmengen. Es muss zum Beispiel geklärt werden, wer für die vielen unterschiedlichen Daten im Datensee verantwortlich ist, und wer was mit welchen Daten machen darf. Um die Kolleginnen und Kollegen aus den verschiedenen Bereichen zu überzeugen, „ihre“ Daten zu teilen, schaffte das Team um Staubert ganz neue Regelungen, Prozesse und vor allem viel Transparenz. Die neue (vernetzte) Generation Für die Accu-Chek Inform Geräte lohnt sich der Datensee zukünftig besonders: Gerade ist die dritte Gerätegeneration in der finalen Entwicklung. Diese verfügt erstmals über eine Datenverbindung, die aktiv Nutzungsdaten an Roche übermittelt. So lassen sich Probleme am System noch frühzeitiger erkennen und den Kunden können proaktiv Handlungsempfehlungen gegeben werden. Das reduziert kostspielige Geräte-Reklamationen und verbessert zugleich den Kundenservice. sich erst in den Köpfen und Budgettöpfen niederschlagen.“ Projekte wie der Data Lake können beweisen, dass sich die Investition lohnt. „Ich kämpfe so für das Projekt, weil es riesengroßes Potenzial hat”, erklärt Staubert. „Anhand der Daten im Data Lake können Probleme entlang der Wertschöpfungskette schneller erkannt werden.“ Das belegt er an einem eindrucksvollen Beispiel: Als Entwickler war er früher regelmäßig mit Vertriebskollegen essen, um sich entlang der Wertkette zu vernetzen. So hat er zum Beispiel, ganz informell, von Problemen mit Batterien bei Kunden erfahren. „Ein halbes Jahr später hatten wir dann ein riesiges Batterieproblem“, erklärt er. „Solche sich anbahnenden Probleme können schneller erkannt werden, wenn verschiedene Datenquellen jede Nacht automatisch analysiert werden, um frühzeitig Trends zu erkennen.“ In Zukunft ist eine Ausweitung des Datensee-Projekts auf andere Roche Point-of-Care Produkte geplant. Für CoaguChek-Produkte hat die Umsetzung bereits begonnen. Der Vorteil: Die aufgebaute Infrastruktur des Datensees kann jetzt mit beliebigen Daten gefüttert werden. Die Schatzsuche geht also weiter. // Autorin: Kim Sauerbier Eine weitere Hürde: Investoren für das Data Lake-Projekt zu finden. „Wir sind noch keine Datenfirma“, erklärt Bodenbach. „Dass zur Produktentwicklung nun auch Daten gehören, muss Andreas Staubert Ludger Bodenbach