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Roche in Deutschland - Das Magazin / Nr 1 // März 2020

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14 Das Magazin // Business Vom Gießkannenprinzip zur gezielten Therapie Werfen wir zunächst einen Blick zurück: In den letzten Jahrzehnten hat sich unser Wissen über die molekularen Mechanismen im menschlichen Körper so stark weiterentwickelt, dass wir heute viele Krankheiten und ihre Ursachen besser verstehen können. So entsteht Krebs beispielsweise durch Veränderungen in den Genen, sogenannte Mutationen, die ein unkontrolliertes Wachstum der Zellen begünstigen. Dank dieser Erkenntnisse wissen wir auch, dass Brustkrebs nicht gleich Brustkrebs und Lungenkrebs nicht gleich Lungenkrebs ist und wieso Medikamente bei einigen Patienten wirken und bei anderen nicht. Seither unterliegen Therapieansätze einem grundlegenden Wandel. Dabei spielt die Diagnostik eine entscheidende Rolle. Durch begleitende diagnostische Tests lassen sich heute oftmals schon Untergruppen von Patienten identifizieren, die höchstwahrscheinlich von einer bestimmten Therapie profitieren werden. Das verbessert den Erfolg der Behandlung und reduziert Nebenwirkungen. Die Vision der personalisierten Medizin oder Personalized Healthcare (PHC) von Roche geht jedoch noch weiter: Das Unternehmen arbeitet daran, Arzneimittel auf das ganz individuelle Profil eines Patienten zuzuschneiden. PHC ist dabei nicht auf die Onkologie beschränkt, dort aber am weitesten fortgeschritten. Auch in der Neurologie, der Augenheilkunde und anderen Bereichen forscht Roche an der richtigen Therapie für den „richtigen“ Patienten zur richtigen Zeit und profitiert dabei von den gebündelten Kompetenzen in Pharma, Diagnostik und digitalen Lösungen. Auf den Weg bringen diese Vision Fortschritte in der Molekularbiologie einerseits und die Möglichkeiten der Digitalisierung sowie Erhebung und Interpretation großer Datenmengen andererseits. Was durch das Zusammenspiel all dieser Faktoren bereits heute möglich ist, verdeutlicht das Beispiel Foundation Medicine (FMI). Wissenschaftler des Unternehmens, das zur Roche-Gruppe gehört, sequenzieren mehrere hundert Gene einer Gewebe- oder Blutprobe von Krebspatienten auf der Suche nach Mutationen. Diese sorgen dafür, dass sich ein Tumor entwickelt, bieten gleichzeitig aber auch einen gezielten Angriffspunkt in der Therapie. „Wir erstellen schließlich einen individuellen Ergebnisbericht und können dabei auf unsere umfangreiche Datenbank mit derzeit über 300.000 Tumor- DNA-Profilen zurückgreifen. Der Bericht enthält Informationen DNA-Sequenz als Wegweiser In hochmodernen Laboren – eines davon auf dem Roche-Campus in Penzberg – analysieren Wissenschaftler von Foundation Medicine (FMI) Gewebeproben von Tumoren. Mittels moderner Methoden der DNA-Sequenzierung werden mehr als 300 Gene analysiert und wird ein umfangreiches molekulares Profil erstellt – quasi ein Fingerabdruck des Tumors. Auf diese Weise unterstützt FMI, seit 2018 Mitglied der Roche-Gruppe, die Suche nach zielgerichteten Behandlungen von Krebspatienten. über alle gefundenen Mutationen, passende Behandlungsmöglichkeiten und relevante klinische Studien”, erklärt Vera Großmann, Geschäftsführerin von FMI in Deutschland. Auch für Christine Bray brachte die molekulare Diagnostik den Durchbruch: Im Labor von FMI wurde ihr Tumor analysiert und daraufhin das für sie passende Medikament gefunden. Ihr Fall verdeutlicht, dass eine umfassende und systematische Diagnostik am Anfang jeder individuellen Behandlung steht. Was bedeutet PHC für Roche? Klar ist, dass die Transformation des Gesundheitswesens nicht nur Einfluss auf Patienten und Ärzte hat, sondern auch aus strategischer Sicht viele Unternehmensbereiche bei Roche verändern wird. Verkleinert sich künftig die Gruppe potenzieller Patienten, für die ein Medikament entwickelt wird, wird es auch zunehmend schwerer, im Rahmen von Zulassungsstudien Patienten per Zufallsprinzip der Behandlungs- und Kontrollgruppe zuzuordnen. Pharma-Forscher von Roche haben nunmehr die Möglichkeit, auf Immer individueller: Therapieansätze gestern, heute und morgen.

Business // Das Magazin 15 die umfassende Datenbank aus elektronischen Gesundheitsakten der Roche-Tochter Flatiron Health zuzugreifen und darin Patienten auszuwählen, die hinsichtlich entscheidender Kriterien Personen der Behandlungsgruppe entsprechen. Dank dieser Real World Data kann die Kontrollgruppe so rein virtuell aufgesetzt werden. Klinische Studien und regulatorische Prozesse werden beschleunigt und effizienter gestaltet, wodurch der Patient neue Medikamente schneller erhält (mehr dazu auf S. 22). Immer kleinere Patientengruppen, immer individuellere Behandlungen – das wird auch die Pharma-Produktion verändern. Eine personalisierte Gesundheitsversorgung setzt durch kleinere Mengen und häufigere Chargenwechsel ein hohes Maß an Flexibilität auf Herstellerseite voraus. Das globale Pharma-Produktionsnetzwerk von Roche hat bereits die Weichen für die Zukunft einer personalisierten Medizin gestellt. „Unsere Strategie stellt Richtlinien auf, welche Produktarten Roche künftig wo produziert und wie wir dafür sinnvollerweise investieren. Dabei sind Schnelligkeit, Flexibilität und geographische Nähe entscheidende Faktoren”, erklärt Uwe Völker, Site Head Pharma Operations Mannheim. So investiert der Konzern bereits heute in kleine Abfüll-Anlagen, die für die Produktion geringer Mengen die notwendige Flexibilität bieten. In Penzberg arbeitet die Technische Entwicklung von Pharma Technical Operations daran, diesen veränderten Anforderungen durch den Einsatz von Single-Use(SU)- Technologien und intensivierten Prozessen Rechnung zu tragen. Zum Beispiel kommen hier schon jetzt SU-Bioreaktoren – im Prinzip Säcke aus Kunststoff – ergänzend zu den mehrere tausend Liter großen Edelstahl-Fermentern der Produktion für die Herstellung von Antikörpern zum Einsatz. Neue Finanzierungsmodelle Ob sich ein Medikament zur Therapie von hunderttausenden, tausenden oder nur einer einzigen Personen eignet, wirkt sich natürlich auch auf eine künftige Vergütung pharmazeutischer Produkte aus. Derzeitige Überlegungen ziehen unter anderem eine personalisierte Erstattung in Betracht, bei der die Kostenübernahme für ein Medikament direkt an eine erfolgreiche Behandlung des Patienten geknüpft ist. Klar ist aber auch – im Alleingang geht es nicht: Durch strategische Partnerschaften, wie beispielsweise mit dem Gentechnik- Pionier Illumina, arbeitet Roche am Gesundheitswesen von morgen und an der Vision einer personalisierten Medizin. Damit künftig mehr Patienten wie Christine Bray eine individuell passende Therapie erhalten können. // Autorin: Laura Schieck Wie die Medizin der Zukunft Leben verändern kann, sehen Sie im Video unter go.roche.com/personalisiertemedizin Arzneimittel auf das individuelle Profil eines Patienten zuzuschneiden – das ist die Vision einer personalisierten Gesundheitsversorgung von Roche. Foto: Roche